Organic Shopping hat das E-Commerce-Umfeld in den letzten Jahren spürbar geprägt. Über die Product Grids in der organischen Google-Suche konnten Händler ihre Produkte direkt im Suchergebnis zeigen: mit Bild, Preis und teilweise Bewertung, ganz ohne Werbebudget. Für viele Shops war das ein verlässlicher zusätzlicher Traffic- und Umsatzkanal neben Google Shopping Ads. Product Grid SEO hat sich entsprechend als eigene Disziplin neben klassischem Produkt- und Kategorie-SEO etabliert.
Seit einigen Tagen verändert sich die Darstellung von Produktergebnissen in der organischen Google-Suche in Deutschland spürbar. Die Product Grids treten deutlich seltener auf als noch vor Kurzem.
Was sich konkret verändert hat
Die Suchanfrage „hundebett rund" zeigt den Unterschied direkt.
Vorher: ein breites Product Grid mit zahlreichen Produkten unterschiedlicher Händler nebeneinander. Bilder, Preise, teilweise Bewertungen. Viele Shops tauchten dort auf, ohne Anzeigenbudget, allein über Feed-Architektur und optimierte Produktseiten.
Aktuell: eine schmalere Box unter der Überschrift „Vergleichsportale". Preisvergleichsportale wie testsieger.de und Testberichte.de erscheinen als aufklappbare Einträge. Google selbst ist ein weiterer Eintrag darunter, mit einer eigenen, kleineren Produktauswahl. Insgesamt sind deutlich weniger Produkte auf den ersten Blick sichtbar als zuvor.
Wer auf Organic Shopping als festen Kanal gesetzt hat, verliert Reichweite. Wie viel, hängt davon ab, wie stark die Product Grids bisher in der eigenen Nische sichtbar waren.
Warum das passiert
Hintergrund ist der Digital Markets Act (DMA), der Googles Spielraum bei der Darstellung eigener Shopping-Ergebnisse innerhalb der EU einschränkt. Die Product Grids in ihrer bisherigen breiten Form sind davon direkt betroffen.
Der DMA gilt seit März 2024 für sogenannte „Gatekeeper"-Plattformen, darunter Google. Plattformbetreiber dürfen ihre eigenen Dienste nicht bevorzugt gegenüber Drittanbietern darstellen. Für Google Shopping bedeutet das: Die Art, wie Produktergebnisse in der organischen Suche erscheinen, steht unter regulatorischem Druck.
Die neue Box mit Vergleichsportalen ist Googles Reaktion: Statt eines breiten, von Google kuratierten Product Grids erscheint ein schmaleres Format, das nominell mehrere Anbieter zeigt, Google selbst eingeschlossen. Für Händler kommt dabei weniger Sichtbarkeit heraus, nicht mehr.
Was das für Unternehmen bedeutet
Wer Organic Shopping als festen Kanal im Traffic-Mix führt, muss das jetzt prüfen. Nicht irgendwann. Jetzt. Search Console und Analytics zeigen, ob der organische Shopping-Traffic bereits zurückgeht und wie groß der Anteil war, der über Product Grids kam.
Product Grid SEO ist damit nicht obsolet. Feed-Qualität, saubere Produktseiten und Merchant-Center-Hygiene bleiben relevant, auch für die neuen Formate. Aber die Reichweite, die ein breites Product Grid erzeugte, ist weg. Wer das ignoriert, plant mit Zahlen, die so nicht mehr stimmen.
Den eigenen Traffic-Mix einseitig auf diesen einen Kanal zu stützen, war schon vor dieser Entwicklung riskant. Jetzt ist es nachweisbar falsch.
Einordnung
Google baut SERP-Formate regelmäßig um, oft schrittweise, regional unterschiedlich. Was sich jetzt in Deutschland beobachten lässt, ist ein klarer Rückgang. Ob das europaweit und dauerhaft gilt, ist offen. Aber auf eine Rückkehr der breiten Product Grids zu setzen ist keine Strategie.
Wer organischen Traffic aus mehreren Kanälen bezieht, also über klassische SEO-Ergebnisse, Organic Shopping und zunehmend GEO für KI-generierte Antworten, ist robuster aufgestellt als jemand, der auf einen einzigen Kanal gesetzt hat. Das gilt jetzt mehr als vorher.